Kooperation – vor allem mit Start-Ups – sind der neue Energy-Drink für Unternehmen

Viel Firmen sind – bei so viel Druck Neues zu erschaffen – innovationsmüde. Beim menschlichen Körper würde Ärzte Eisenmangel diagnostizieren. Um dieser Mangelerscheinung Abhilfe zu schaffen, verordnen immer mehr „Halbgötter in Weiß“ auf der dmexco folgende Therapie: Kooperieren Sie mit Start-Ups. Ein Bericht von IdeenwerkBW beschreibt, dass die Takkt AG, ein B2B-Versender aus Stuttgart, das eigene Know-how mit Kompetenzen verschiedener Start-Ups veredelt. Auf Gründerszene.de fanden wir eine vergleichbare Info zur Telekom.

Die nackte Information ist erst einmal nichts Neues. Früher kooperierten Konzerne mit Hochschulen. RWTH Aachen, Max-Planck-Institute oder die Steinbeiß-Stiftungen sind nur drei Beispiele. Im Zuge einer kundenorientierten Unternehmensführung, dem Druck aufgrund von „Time-tot-Market“ sowie des „Digital Transformation-Hypes“ nutzen immer mehr Unternehmen die Potenziale von Start-Ups oder Spin-Offs.

Der Axel Springer Verlag war einer der ersten bekannten Großunternehmen. Die Deutsche Bahn hat gerade eine Projektorganisation realisiert, in der Start Ups als Querdenker eingebettet sind. Die Telekom lässt ihre Millionen von Adressdaten durch eine intelligente Start-Up-Lösung auffrischen und aktuell halten. Nun beginnen auch Unternehmen aus dem Mittelstand, diesen Weg einzuschlagen.

Welche strategischen Vorteile entstehen dadurch? Ein Beispiel:

Ich wurde vor einem Jahr von einem Manager eines der führenden Wasseraufbereitungshersteller gefragt: Soll das neue Geschäftsmodell in ein Start-Up ausgelagert werden und sich frei entwickeln können? Oder kann es innerhalb der bestehenden Organisation verbleiben und so „groß gezogen werden“?

Klare Antwort von mir: In ein Start-Up auslagern.

Das bringt mehr Vorteile als Nachteile.  Warum? Neue Ideen oder anders Denkende werden in verkrusteten Organisationen zu schnell mundtot gemacht, in den Mühlen der alten Hierarchien und Prozessen verschlissen. Der „alte“ Verwaltungsapparat verlangt bzw. erwartet Rahmenbedingungen, die ein kleines Pflänzchen nicht erbringen kann und soll.

Nicht umsonst sind in der Gärtnerei oder Baumschule die jungen Pflanzen an einem anderen Ort untergebracht und erfahren „liebevoller Vernachlässigung“. Gleichzeitig kann das neue Unternehmen von den „Eh-Da“-Kosten des anderen profitieren.

Neben Axel Springer haben sehr erfolgreiche Mittelständler wie Festool Elektrowerkzeuge sich schon vor Jahren junge Firmen in ihr Umfeld geholt. Regelmäßiger Ideentransfer, behutsames, natürliches Wachstum lassen diese jungen Triebe bestens gedeihen. Und sie haben die Wahl: Nutzen sie dieses Know-how nur selbst, bieten sie das aufgebaute Wissen am Markt gegen gutes Geld an, verlängern sie damit die Wertschöpfungskette oder investieren früh und verkaufen die „Bude“ gewinnbringend.

Zitat: Die Zeiten, in denen wir geglaubt haben, wir können alles selbst, sind längst vorbei“, sagte IP-Chef Dang. Quelle: Horizont Online vom 23.09.2017)

Was hat sich Takkt alles an Bord geholt? Aktuell sind es fünf Lösungen:

Ein Lösung zum „Paket-Beilagen individualisieren“, ein spezieller Online-Shop soll den lokalen Markt besser ausschöpfen, das Dritte hilft bei flexibleren Kartonzuschnitten, das Vierte unterstützt die Arbeit mit Preisvergleichsportalen und das fünfte erstellt Hologramme für einen fälschungssicheren, digitalen Fingerabdruck des Produkts.

In Summe kann man sich bei Takkt bis zu 10 solcher Engagements vorstellen. Statt das Know-how langwierig selbst aufzubauen, kommt man so an frische Gedanken und One-Step-Ahead-Technologien, und die eigene Belegschaft lernt dabei das Denken und Handel mit neuen Technologien.

Fazit:

Ob sich Unternehmen besser gleich beteiligen oder nur interne Strukturen unterstützen lassen, ist eine spekulative Frage. Heißt das Ziel, an der Entwicklung mitzuwirken, ist eine Investition sinnvoll. Man schützt dabei seine eigene Entwicklungs- und Know-how Investition. Wenn die Befürchtung des Scheiterns besteht und nur Wissen abgegriffen werden sollte, sollte ein suchendes Unternehmen lieber gleich die Finger davon lassen.

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