Nach was oder wem richtet man seine Strategie aus? Andere Kopieren?

Nach was oder wem richtet man seine Strategie aus? Andere Kopieren?

Letzte Woche las ich von Thomas Knüwer einen empfohlenen Beitrag vom American Press Institute, der folgendes besagt:

Verlage richten zu 85 % die Preisstrategie Ihrer Paywall nach ihren Wettbewerbern aus.

Da dachte ich, das ist ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert. Nein, scheinbar redet man nicht nur mit der Konkurrenz, man beobachtet – ja kopiert sie. Und schließt daraus, was man nun selbst macht. Re-aktion nennt man das. Oder kopieren.

Nach dem Lesen des Artikels fiel mir ein, ich hatte 2003 einen Vortrag zum Thema Kundenkarte und CRM geschrieben. In den ersten Charts zeigt ich Studienergebnisse (Quelle: Mercer Management Consulting 2003, Retail-Studie), die sich wie folgt zusammenfassen lassen:

  • Fast 91 % aller Händler orientieren sich an den Preisen des Wettbewerbs.
  • Über 68 % richten ihr Sortiment/Angebot nach dem WettbewerbAmerican Press Institute_20140918

Komisch, dass man als Verbraucher immer das Gefühl hat: Wie bei den Tankstellen. Sie sprechen sich alle ab. Die Preisvergleichsportale tragen ihren Teil dazu bei. Auch ein Geschäftsführer eines Verpackungshersteller sagte einmal: Ich muss vergleichbar sein, sonst kaufen die Leute nicht mehr bei mir.

Wofür steht USP noch mal? Oder sind inzwischen die Buchstaben vertauscht worden: UPS. Ja, auf Deutsch nennt man USP das Alleinstellungsmerkmal. Wenn es schon nicht der Preis ist, was dann: Services, Content, Leistungsvorteile, Produkt-Kombinationen und und und.

Warum nur schauen alle wie das Kaninchen erstarrt vor der Schlange auf die anderen? Warum geht man nicht seinen eignen Weg? Alle loben Apple, komisch oder? Aber Apple ist nicht, wie die Lemminge, den anderen hinterher gelaufen. Aus der Krise heraus, soweit sollte man es gar nicht kommen lassen, hat Apple seine eigene Strategie entwickelt. Den Markt sondiert, die Kundengruppen analysiert und danach seine Produktentwicklung ausgerichtet.

Heute schimpfen viele über die hohen Preise, die Apple verlangen kann. Warum nur? Apple hat – ups – ja einen, nein mehrere USP’s,  Alleinstellungsmerkmale. Ja, Mehrzahl, Merkmale. Und das muss, nein will der Kunde haben und bezahlen. Oder wartet Stunden vor der Premiere.

Zurück zu den Verlagen. Alle warteten fleißig ab, was die Bild-Gruppe mit seinem Paywall-Verfahren für Erkenntnisse sammelt. Ein Jahr nach der Einführung hielt eine Dame der Bildgruppe auf dem Digital Innovators Summit in Berlin einen Vortrag. Und einige Besucher „hingen ihr förmlich an den Lippen“.

Nur, wer nicht wagt, gewinnt nicht. Wer glaubt, was bei der Bild klappt, wird bei ihm auch schon klappen, der hat die Rechnung ohne den Kunden bzw. die Zielgruppe gemacht. Und das ist quasi der Kardinalsfehler.

So sind vor vielen Jahren auch alle Medienunternehmen, einer nach dem anderen, in das FKK-Bad, der „Freien (Inhalte) Kostenlos-Kultur“ gefolgt. Wie die  Lemminge. Das Ergebnis ist hinlänglich bekannt.

Nur Mut! RICHTEN SIE IHRE STRATEGIE AN IHREN ZIELGRUPPEN AUS. Nicht an der KONKURRENZ. Die schauen ja auch nur auf Sie. Also drehen Sie sich doch nur im Kreis oder in einer Spirale – für viele in der Todesspirale.

Die Wissenschaft hat dafür eine nette Beschreibung gefunden: selffulfilling prophecy

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