Pawlik Sales Congress 2014 schon zum 13. Mal

Pawlik Sales Congress 2014 schon zum 13. Mal

Wer ihn nicht kennt und nicht dabei war, hat mal wieder etwas verpasst. Den 13. Sales Congress, im 12. Jahr in Hamburg. Gestern in der Hanse-Lounge, heute im Gastwerk: eine hochwertige Perlenkette von Rednern.

Schon die Vorabend-Veranstaltung ist immer ein Knaller. Wo erlebt man schon Roland Koch, Hans-Joachim Watzke, Baroness Susan Greenfield, Ulrich Walter, Harald Welzer aus der Nähe und zum Ansprechen. Alle(s) moderiert von einer nett spitzbübisch, kompetenten Dunja Hajali.

Das Kongress-Motto war: Verantwortlich … sind immer die anderen!

Hans-Joachim Watzke zeigte sich am Montag abend durchaus unterhaltsam, nicht dünnhäutig, trotz der Tabellensituation. Als er beim BVB Verantwortung übernahm, sagten viele „Höllenfahrtskommando“. Aber heute, Umsatz verdoppelt, viele nationalen und internationalen Erfolge später, kann er und sein Team auf viele gute Entscheidungen zurück blicken.

Den Kongress eröffnet wie immer der Gastgeber:
Joachim Pawlik gab Einblicke in die etwas komplexe Menschenseele. Viele Studien zeigen, dass man sich selbst überschätzt. Die einzigen, denen das kaum passiert, sind die leicht depressiven. Was sagt uns das? Wichtig ist, Kritik anzunehmen und nicht einfach wegzuwischen. Das zeigte sich z.B. daran, dass bei Flugzeugabstürzen mit Hauptgrund „menschliches Versagen“ der Co-Pilot nicht vom Chef-Pilot gehört wurde. Möglicherweise ist der Co-Pilot mit seinen Argumenten nicht zum Chef-Piloten durchgedrungen. Dieser hatte den Untersuchungen zur Folge letztendlich den Absturz zu verantworten gehabt.

Roland Koch zeigte Einblicke in das Führungs- und Verantwortungsverhalten in der Politik und Wirtschaft. Auf die Frage zu seinem grössten Fehler, kam die Antwort: „Den Fehler werde ich nicht begehen und einer Journalistin erzählen, was mein grösster Fehler war.“
Er argumentierte mit einer Feedback-Kultur, die nur im kleinen Kreis von Vertrauten funktioniert. Und in diesem Kreis sollen die Fehler auch bleiben.

Harald Welzer setze Joachim Pawliks begonnen Einblick in die Seele fort. Er kam mit Beispielen aus dem 2. Weltkrieg. Ein Beispiel, welches auch im Buch von Hannah Ahrendt steht, war, der Eichmann-Prozess: Warum habe er, Eichmann, nicht gegen die Führung aufbegehrt? Seine Antwort, weil „Aufbegehren nicht befohlen“ wurde.
Denkt man oder wird für einen gedacht? Diese steile These von Welzer findet sofort Befürworter. In der Kneipe genauso wie im Raum der Führungskräfte im Gastwerk. Denn jeder hat schon erlebt, wie ihm geraten wurde „Tue dies, mache jenes“. Und irgendwann dachte jeder: Was wollen die von mir, ich will doch ganz anders. Sehr unterhaltsam zeigte Welzer, wie komplex Verantwortung sein kann, und wie andere darauf reagieren, wenn man Verantwortung übernimmt.

Ulrich Walter nahm uns mit auf einen Flug in die Raumstation der ESA. 5 Jahre Training, jeder Handgriff muss im Schlaf sitzen. Als Astronaut ist man Team-Mitglied und Leader. Je nach Situation, da gilt es auch immer nach rechts und links zu sehen. Und zur Not den Kollegen helfen. Von notwendigen Elementen eines guten Projektmanagements, führte er auch eine Fehlerlistete auf, welche die 10 wichtigsten Gründe für das Scheitern einer Mission oder eines Projekts darstellen. Er plädierte zum Schluss für Weltraumtourismus, weil nur so die Menschen verstehen, was für einen wertvollen Planeten wir haben, und dabei sind ihn kaputt zu machen.

Nach der Mittagspause – the Graveyard-Session, nannte Baroness Susan Greenfield in der Pause diesen Rednerplatz selbst. Aber, wer so viel Feuer und Begeisterung für dieses Thema versprüht wie sie, der begeistert auch in der Biorhythmus-schwachen Phase des Tages. Eloquent und in sehr schnell, klar gesprochenem Englisch beweist sie, welche Vernetzung der Synapsen möglich ist, wenn man auf digitale Hilfsmittel verzichtet. Dieser Vortrag ist quasi die Fortsetzung zu Prof. Dr. Spitzer aus 2012, als er damals zur digitalen Demenz Stellung nahm.

Wolfgang Kubicki forderte mehr Eigenverantwortung. Als bekennender Nichtraucher findet er das Rauchverbot eine unhaltbare Einschränkung. Doch wo will man die Grenzen ziehen, ab wann mischt sich der Staat in das Privatleben ein. Und Harald Welzer sagte in seinem Vortrag dazu: Ohne Privatleben, funktioniert keine Demokratie. Kubicki plädiert für wenige, aber klare Regel, sonst – wie bei den Banken erlebt – wird die Politik am Nasenring herumgeführt. Und der Banker muss keine Verantwortung übernehmen.
Viele Beispiele schmückten seinen Vortrag, der liberale bzw. soziale Inhalte für Lebensnotwendig hält.

Nach einer kurzen Pause kam dann Barbara Schöneberger. Dunja Hajali und sie flachsten, witzelten und sprachen über dies und das. Tempo-, geist- und inhaltsreich zündeten die beiden Damen ein Dialog-Feuerwerk, ein schöner Abschluss eines sehr interessanten Tages.

Fazit: ich war zum 8. Mal dort und kann nur sagen „klasse Event, klasse Organisation, klasse Inhalte und sehr interessante Gespräche und Dialoge“. Mehr geht nicht.

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