Zeig mir Dein Tinder und ich sage Dir, wer Du bist!

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Wie die Daten von Tinder und Instagram für verschiedenste Zwecke genutzt werden

Tinder ist für viele das erste Portal, welches ihnen in den Sinn kommt, wenn es um das Thema Online-Dating geht. Der Fokus der App ist, Bilder von potenziellen Date-Kandidaten bzw. Kandidatinnen  zu bewerten. Wie funktioniert das? Durch einen Wisch der vorgeschlagenen Bilder nach rechts wird Interesse an dem Profil gezeigt und durch einen Wisch nach links wird das Profil als nicht passend ausgeschlossen. Wischen zwei Personen jeweils das Profil des anderen Users nach rechts, kommt es zu einem Match und die beiden können einander kontaktieren.

Doch nach welchem Algorithmus wird einem Suchenden ein fremdes Profil angezeigt? Die Antwort ist einfach. Tinder nutzt zur Erstellung eines Accounts die Anmeldedaten des jeweiligen bestehenden Facebook-Accounts. Dadurch greift der Dienst automatisch auf alle bei Facebook gespeicherten Informationen zu. Im Tinder-Account werden dann sämtliche Bilder, „Gefällt mir“-Angaben und Informationen zusammengeführt. Ähnlichkeiten bzw. Übereinstimmungen in diesen Informationen sorgten letztlich für einen Profilvorschlag. Zur Verbesserung der Suchvorschläge kann eine Person ihr Tinder-Profil um die Datennutzungserlaubnis bei Instagram und Spotify ausweiten.

Ziel des Algorithmus von Tinder ist es, passende Matches zu generieren. Der sogenannte „Elo Score“ hilft dem Algorithmus dabei. Er misst viele Faktoren und rankt die Beliebtheit des Profils. Dabei gibt ein Teil des Scores Auskunft über das Ranking des eigenen Profils bei anderen Nutzern. Zudem gilt, wer dem Algorithmus mehr Informationen liefert, wird im Ranking weiter oben gelistet.

Jedoch ist nicht nur dies alleine für ein Match auschlaggebend. Es fließen auch die Uhrzeit, der Standort des Likes oder das Verhältnis von den nach rechts bzw. links gewischten Fotos in den Algorithmus ein. Jemand, der von andern Nutzern öfter nach rechts gewischt wird und dabei nur wenige Nutzer selber nach rechts wischt, wird sehr gut bewertet. Durch die eingeführte Bezahlfunktion lassen sich zudem einige Aufwertungen des eigenen Profils vornehmen. Hierdurch werden jemandem auch die Likes von anderen angezeigt, bevor er selber sein Like vergibt.

Doch nicht nur im Online-Dating finden moderne Algorithmen Anwendung. So ist Instagram heutzutage eine der meist verwendeten Social-Media-Plattformen und der Hype lässt nicht nach. Über die veröffentlichten Fotos zeigen User, was sie von sich preisgeben möchten. Auf dieser Basis werden sie segmentiert und entsprechend innerhalb von Instagram mit Vorschlägen bedient. Doch lassen sich aus den Instagram-Postings auch psychische Erkrankungen erkennen? Dies behaupten zumindest amerikanische Forscher der University of Vermont, die sich tausende Postings angesehen und diese untersucht haben.

Für die Studie wurden mehr als 40.000 Fotos von Testpersonen analysiert und durch einen Algorithmus mit deren Gesundheitszustand abgeglichen. Dabei sollen Färbung und Helligkeit der auf Instagram veröffentlichen Bilder einiges über die Psyche aussagen. Eher warme und helle Bilder deuten angeblich auf psychische Gesundheit und zu dunkle oder Schwarz-Weiß-Bilder auf eher depressive Neigungen. Des Weiteren soll der Zusammenhang von Likes und Kommentaren auch ein Bild des Gesundheitszustandes zeichnen. Die Analyse zeigte, dass Postings von depressiven Nutzern mehr Kommentare als Likes bekommen und andersherum Postings von gesunden Nutzern mehr Likes als Kommentare erhalten. Mit 70 % liegt die Trefferquote des Algorithmus, eine psychische Erkrankung festzustellen, höher als die Erfolgsquote des Hausarztes.

Über den Sinn und Zweck bzw. das Gut oder Schlecht soll hier kein Urteil gefällt werden. Vielmehr zeigt diese Betrachtung, dass die verschiedenen Analyse-Verfahren aus Daten, Informationen, Klicks, Likes sowie Bildern Schlüsse zu ziehen und entsprechend zu „handeln“ immer mehr unser Leben durchdringen. Weitere Beispiele dafür sind die angebliche Beeinflussung von Wählern bei der US-Wahl, die Kreditvergabe aufgrund seines Facebook-Profils oder die entsprechende Auswahl von Bildern, die einem beim nächsten Besuch einer Webseite angezeigt werden. Die Methodik und Technik dafür sind vorhanden. Es gilt sie nur zu friedlichen bzw. sinnvollen Zwecken zu nutzen.

Autoren: Berat Mehmetaj, Georg Blum

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