Change Management ist ganz einfach. So geht es …

Change Management ist ganz einfach. So geht es …

… auf jeden Fall nicht!

Lieber Redakteur der WiWo. Das ist leider viel Nutzloses, das hier in digitalen Lettern fabriziert wurde. So geht es nicht. Sowohl in der Change-Management-Praxis nicht und auch nicht im Journalismus. Auf ein paar Seiten ein paar Aussagen und Fakten ohne innere Bindung und Kitt zusammengeschmiert: Sitzen, Sechs!

Lautstark mit der Überschrift Change-Management-Praxis-Hilfe versprechen. Das ist ungefähr so, wie wenn man Drogenabhängigen vorgaukelt, wie man in 5 Minuten die Abhängigkeit zur Droge beenden könne.

Zum einen schlecht recherchiert (Das EBITDA von UnityMedia KabelBW ist kein Gewinn, sondern eine Kennzahl, die ohne Vergleich zu anderen nichts aussagt) und zum anderen oberflächlich. Ein paar sinnvolle und nutzlose Aussagen zusammengebastelt, für einen, der Hilfe sucht: Sinnlos. Und die ZEIT verlinkt das auch noch bedenkenlos in Ihren Online-Auftritt.

a) Das Beispiel von Osram entbehrt derzeit jeglicher Grundlage. b) Die Prozentzahlen aus der Capgemini sind Quatsch: 68 Unternehmen wurden untersucht. 83 % der Firmen, die systematisches Change Management machen, erreichen ihre Ziele. Auf welcher Basis stehen die 83 %. Sind das 10 Unternehmen von 12? Das wären 83 %. Also 10 von 68 machen (nach eigenen Aussagen? Wen hat man gefragt?) erfolgreiches Change Management? Also nur 15 %. Das wäre auch mein „nicht empirischer“ Eindruck. c) „Diese alten Strukturen will Kaeser beenden. So will er Abläufe beschleunigen und an den Kunden näher heranrücken.“ Was soll der Leser mit so einer Aussage anfangen? d) Am besten gefällt mir der Satz „Systeme sind träge, sonst würden sie Krisen nicht überleben“. Genau deshalb (weil sie träge sind) überleben sie Krisen nicht. Sondern nur, weil Systeme sich verändern, überleben sie. Das erwähnte Beispiel von Darwin zeigt die richtige Richtung. f) Herr Schüler sagt dies, der Change Agent sagt das. Ankündigungen sind das eine. Vertrauen und Dauerhaft eine Linie durchzuziehen das andere. Mitarbeiter reagieren hierzu meist mit dem fatalistischen Satz: „Die Botschaft höre ich wohl, alleine mir fehlt der Glaube“. Hat Herr Schüler das auch eingehalten? Das wäre wichtig.

Jede Situation in einem Unternehmen ist anders und verlangt ganz individuelle Maßnahmen. Warum? Weil

  1. jeweils andere Menschen mit völlig unterschiedlichen Fähigkeiten und Erfahrungen „betroffen“ sind,
  2. die Ausgangssituation eine andere ist.

Warum soll Change stattfinden? Weil

  1. ein neuer Chef (z.B. J. Kaeser) es einfach anders wie der Vorgänger machen will,
  2. man kurz vor der Insolvenz steht,
  3. man sein Business noch erfolgreicher machen will,
  4. der digitale Wandel einem den Hals zuschnürt.
  5. oder oder oder.

Vor allem aber sind es die unterschiedlichen Menschen, die Ziele und die bestehende und die mögliche neue Organisation die ein Change Management so komplex machen. Sobald sie an der Organisationsstruktur ändern, haben sie „Druck auf dem Kessel“. Deshalb sollte man zuerst an den Prozessen ändern. Form Follows Function!

1987 stand im Manager Magazin ein Satz, der mich als Student tief beeindruckt hat: „Wer bestehendes Denken verändern will, der muss vorhandene Strukturen zerstören“, Rupert Lay, Jesuitenpater. Damals sagte ich, „um Gottes Willen, wir brutal denkt dieser christliche Mensch“. Heute sage ich: Er hat Recht.

Die Fragen sind nur, wie

  1. steuert, begleitet und kommuniziert man diese „Zerstörung“,
  2. darf der Mitarbeiter an dieser „Zerstörung“ und am Neuaufbau mitarbeiten.

Das ist die große Herausforderung im Change-Management. Und diese läßt sich nicht mal ebenso erklären. Das benötigt Fingerspitzengefühl für die Menschen, die Führung, die Situation, die Ziele. Liebe Journalisten, bitte lieber keinen solchen Artikel als einen, der mit Headline-Niveau von heftig.co und mit einem Inhalt „Kiel nach oben“ bzw. „auf der digitalen Brennsuppe“ daher schwimmt.

Einmal ein Buch von Dr. Klaus Doppler lesen, dann weiß man, WORUM es geht. WIE es geht, ist noch einmal was ganz anderes. Das ist die Praxis!

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